EMI – Eye Movement Integration im Coaching
EMI (Eye Movement Integration, zu Deutsch etwa «Integration mit Hilfe von Augenbewegungen») ist eine Methode, die mit gezielt geführten Augenbewegungen arbeitet.
Sie öffnet einen direkten Zugang dazu, wie ein belastendes Erlebnis gespeichert ist – nicht nur in Gedanken und Worten, sondern auch in Bildern, Gefühlen und Körperempfindungen.
Erinnerungen, die bruchstückhaft sind oder sich mit Worten kaum fassen lassen, werden so zugänglich. Sie können verarbeitet und mit stärkenden Erfahrungen neu verknüpft werden. Oft ist das auch im Körper spürbar: Anspannung, die lange festgehalten wurde, darf sich lösen.
Im Coaching setze ich die Methode als klar strukturierten Baustein ein – dort, wo sich etwas festgefahren hat.
Die Idee dahinter
Manche Reaktionen laufen schneller ab, als du denken kannst. Du weisst genau, dass die Präsentation vor dem Team keine Gefahr ist – und trotzdem wird dir heiss, der Kopf ist leer, das Herz klopft. Verstehen allein bringt hier oft nicht weiter.
Belastende Erlebnisse werden oft nicht als zusammenhängende Geschichte abgespeichert, sondern fragmentiert: ein Bild, ein Satz, ein Gefühl im Körper. Deshalb kann schon ein kleiner Auslöser – ein Blick in den Kalender, ein bestimmter Tonfall, der Weg ins Sitzungszimmer – die alte Anspannung wieder in voller Stärke wachrufen.
Die gezielten Augenbewegungen sollen helfen, diese Bruchstücke miteinander zu verbinden und neu einzuordnen. Viele Menschen erleben danach, dass die Situation als Erinnerung zwar noch da ist, aber deutlich weniger Stress auslöst – und dass sie wieder mehr Abstand dazu haben.
Zwei Bilder dazu
Das Puzzle
Verstreute Puzzleteile – einzelne Erinnerungsfragmente – werden zu einem grösseren, stimmigen Bild zusammengesetzt. Ein vollständiges Bild lässt sich leichter betrachten und leichter wieder beiseitelegen.
Die Schublade
Stell dir die belastende Erinnerung wie lose Zettel in einer übervollen Schublade vor. Jedes Mal, wenn die Schublade aufgeht, fallen die Zettel unkontrolliert heraus. In einer EMI-Sitzung werden sie sortiert und an ihren Platz gelegt. Geht die Schublade später wieder auf, bleibt alles geordnet – und nichts überflutet dich mehr.
Warum EMI gut zu neurodivergenten Menschen passt
EMI eignet sich gut für Menschen mit ADHS, im Autismus-Spektrum oder mit Hochsensibilität:
• Der Ablauf ist klar strukturiert und vorhersehbar – du weisst vorher, was passiert.
• Du musst nur wenig sprechen und nichts ausführlich erzählen.
• Tempo, Abstand, Licht und Pausen passen wir jederzeit an deine Bedürfnisse an.
• Du kannst jederzeit unterbrechen. So bleibt die Sitzung auch bei erhöhter Reizempfindlichkeit gut aushaltbar.
Wofür ich EMI im Coaching einsetze
• Leistungs- und Prüfungsdruck: Prüfungen, Vorträge, Präsentationen, Bewerbungsgespräche
• Situationen, die immer wieder dieselbe Stressreaktion auslösen – etwa Telefonate, Meetings oder Konflikte
• Unangenehme Erlebnisse, die sich festgesetzt haben: ein Sturz, ein Hundebiss, eine peinliche Situation vor anderen
• Hinderliche Glaubenssätze wie «Ich bin nicht genug» oder «Nur wenn ich leiste, bin ich okay»
• Mühe, Nein zu sagen und die eigenen Grenzen zu spüren
• Innere Unruhe und das Gefühl, nie abschalten zu dürfen
Manchmal liegen die passenden Schlüsselsätze nicht sofort auf der Hand. Dann nehmen wir uns vorher Zeit, um das Thema einzugrenzen – das ist Teil der Arbeit, kein Umweg.
So läuft eine EMI-Sitzung ab
1 · Thema klären
Wir besprechen die Situation, um die es gehen soll, und klären, ob EMI dafür passt.
2 · Schlüsselsätze finden
Gemeinsam formulieren wir zwei bis vier kurze Sätze, die die Situation auf den Punkt bringen – beim Beispiel Präsentation etwa: «Ich stehe vor allen» – «Mein Kopf ist leer» – «Alle schauen mich an».
3 · Augenbewegungen
Wir sitzen uns gegenüber. Du folgst mit den Augen meinem Finger oder einem Stift durch verschiedene Bewegungsmuster. Währenddessen wiederhole ich die Schlüsselsätze. Nach jeder Sequenz halten wir kurz an und schauen, was sich verändert hat.
4 · Stärkender Abschluss
Zum Schluss folgen Augenbewegungen, die das Neue verankern und stärken.
5 · Abschlussgespräch
Wir besprechen, was sich gezeigt hat und was du mitnimmst.
Gut zu wissen
• Eine EMI-Sitzung dauert in der Regel etwa zwei Stunden.
• Plane danach etwas Ruhe ein und triff an diesem Tag möglichst keine grossen Entscheidungen.
• Autofahren ist danach möglich – gönn dir vorher eine Pause von etwa 15 Minuten.
• Abgerechnet wird nach dem regulären Stundentarif (siehe Tarife).
Drei Beispiele aus der Praxis
Die Beispiele sind anonymisiert und frei zusammengestellt.
Beispiel 1 – «Mein Kopf ist leer»
Frau A. musste vor einem Jahr ein Projekt vor der Geschäftsleitung präsentieren. Mitten im Vortrag war ihr Kopf plötzlich leer, jemand lachte. Seitdem wird ihr schon beim Gedanken an eine Präsentation heiss, sie schläft vorher schlecht und schiebt die Vorbereitung hinaus.
Mögliche Schlüsselsätze: «Ich stehe vor allen» – «Mein Kopf ist leer» – «Jemand lacht» – «Ich blamiere mich».
Die EMI-Arbeit ist darauf ausgerichtet, das Erlebte neu einzuordnen – damit Frau A. sich bei der nächsten Präsentation wieder auf ihre Inhalte konzentrieren kann statt auf die Anspannung.
Beispiel 2 – «Nur wenn ich leiste, bin ich okay»
Herr B. ist der Erste im Büro und der Letzte, der geht. Er übernimmt jede Aufgabe, kann schlecht Nein sagen und fühlt sich in Pausen unruhig, fast schuldig. Schon früh hat er gelernt, dass Anerkennung vor allem über Leistung kommt. Inzwischen merkt er, wie viel Kraft ihn dieses Muster kostet.
Mögliche Schlüsselsätze: «Ich darf nicht aufhören» – «Nur wenn ich leiste, bin ich okay» – «Wenn ich Pause mache, passiert etwas Schlimmes» – «Ich bin nicht genug».
Mit EMI arbeiten wir an der Anspannung, die diese Sätze auslösen. Ziel ist, dass Herr B. Pausen wieder als sicher erlebt und im Alltag freier entscheidet, wann er leistet und wann er ruht.
Beispiel 3 – «Meine Bedürfnisse zählen nicht»
Frau C. ist äusserst hilfsbereit und aufmerksam für andere. Was sie selbst braucht, spürt sie dagegen kaum – und wenn doch, fällt es ihr schwer, dafür einzustehen. Bei Zusatzaufgaben im Team sagt sie fast automatisch Ja und ärgert sich später darüber.
Mögliche Schlüsselsätze: «Ich muss für andere da sein» – «Meine Bedürfnisse zählen nicht» – «Wenn ich Nein sage, verliere ich dich» – «Ich spüre mich nicht».
EMI kann Frau C. dabei unterstützen, diese alten Muster behutsam und in kleinen Schritten zu lockern – damit sie ihre eigenen Bedürfnisse wieder wahrnimmt und achtsamer mit ihren Grenzen umgeht.
EMI mit Jugendlichen
EMI ist auch mit Jugendlichen möglich, wenn sie sich sprachlich gut ausdrücken können. Vorher findet ein gemeinsames Gespräch mit dir als Elternteil und deinem Kind statt. In der EMI-Sitzung selbst sind die Eltern nicht dabei, damit sich dein Kind ganz auf die Arbeit konzentrieren kann. Mehr zur Begleitung von Eltern findest du auf der Seite «Eltern».
Ein ehrliches Wort zur Einordnung
EMI ist im Coaching ein Werkzeug, keine Behandlung. Es stellt keine Diagnose und ersetzt keine Psychotherapie. Die Forschung zu EMI ist noch überschaubar: Viele Menschen erleben eine spürbare Entlastung – versprechen kann ich sie nicht.
Wenn sehr schwere Erlebnisse, eine akute Krise oder eine psychische Erkrankung im Vordergrund stehen, gehört die Arbeit in psychotherapeutische Hände. Das klären wir gemeinsam im Vorgespräch, und ich helfe dir gern, die passende Stelle zu finden. Mehr dazu: Coaching oder Therapie?
Meine Ausbildung
Im September 2026 habe ich das erste Modul der EMI®-Ausbildung am IBP abgeschlossen und bin zertifiziert, EMI anzuwenden. Im November 2027 folgt das weiterführende Modul 2 («Ressourcen-EMI»).
Möchtest du wissen, ob EMI zu deinem Anliegen passt?
Im Erstgespräch (90 Minuten) schauen wir gemeinsam, was dich beschäftigt – und ob EMI dafür ein sinnvoller Baustein ist.
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